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Raubyner-Jagd
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Raubyner-Jagd
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Raubyner-Jagd

Eine Erzählung aus dem Perry-Rhodan-Universum

 

Das Original zu dieser Geschichte stammt von Marc-Ivo Schubert und ihr es findet auf seiner Homepage.

Marc-Ivos Version ist atmosphärisch dichter, spannender und - unbedingt - lesenswert. Ich fand den Kern der Geschichte interessant und Marc-Ivo hat mir freundlicherweise erlaubt, ihn zu benutzen. Ich hoffe, er ist von dem Ergebnis nicht allzu sehr enttäuscht, denn ich bin doch wohl äußerst frei mit seiner Vorlage umgegangen ...



© der Originalversion by Marc-Ivo Schubert

© dieser Version by Sternenkratzer, September 2000

 


1.  

Die Maschinen der CELBERIN liefen mit Höchstwerten. Das Schiff raste mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit durch den Hyperraum. Es fraß das Nichts zwischen den Galaxien wie ein ausgehungertes Tier.

Tage vergingen. Wochen. Monate.

Das Ziel: NGC 1313, Eigenname Bröhnder; der Zweck: Aufspüren und Gefangennahme von mehreren Exemplaren der Spezies Raubyner.

Die Namen sagten uns nichts. Unsere Nachfragen blieben ohne Antworten. Wir waren die Untersten in der Bordhierarchie. Wir waren Soldaten. Wir hatten Befehlen zu gehorchen. Sonst nichts.

Wir saßen in unseren Quartieren. Wir langweilten uns und wussten nicht, weshalb.

Die Wissenschaftler wussten es. Aber sie lebten in einer anderen Sektion des Schiffes. Wir hatten keinen Kontakt. Denn sie waren die Elite. Wir nur die Soldaten.

Cryfa - Cryfa da Rimin. Eine Exobiologin. Eine Aristokratin. Sie war eine Hochedle, und sie war eine Schönheit. Ich war auf Schleusenwache gewesen, als sie das Schiff betreten hatte. Aus den Augenwinkeln hatte ich sie angestarrt. Sie hatte es nicht bemerkt. Sie hatte mich, im Vorbeigehen und mit der aus Jahrtausenden geerbten Arroganz eines Mitglieds eines alten Hauses, degradiert zu einem uninteressanten, langweiligen, nicht beachtenswerten Objekt.

Das Kommando lag in den Händen eines Kralasenen, die sich selbst die Bluthunde des Imperators nannten. Die Mission musste wichtig sein. - Einer der Wissenschaftler verplapperte sich. Ein in der Nähe stehender Kamerad hörte es.

Der Auftrag kam von Seiner Erhabenheit, dem Imperator. Die Fremdrasse der Raubyner sonderte ein lebensverlängerndes Hormon mit dem Namen Liquorac ab. Ich vernahm es und ich verstand unsere Aufgabe und ihre Bedeutung. Aber - ich war mir nicht sicher - ich war mir nicht sicher, ob es richtig war.

Die CELBERIN sprang von einer Welt zu nächsten, auf der Suche nach der entscheidenden Information.

Und wir saßen in unseren Kabinen und langweilten uns.

2.  

Der Alarm schrillte durch die Quartiere.

"Auf!", schrie der Kralasene. "Die Zeit des Faulenzens ist vorbei!"

Wir sprangen hoch, rissen die Seruns aus ihren Haltungen und zwangen uns hinein.

"Auf!", schrie der Kralasene. "Schneller! Schneller!"

Der Pikosyn meines Seruns schrieb die Einsatzbefehle auf die Innenfläche des Visiers. Ich las sie, hetzte neben meinen Kameraden durch die Gänge der CELBERIN, fand meine Gruppe - und stutze.

Der Kralasene erklärte aus dem Off: "Die CELBERIN hat ein Schiff der Muul gestoppt. Wir vermuten, dass sich an Bord Informationen über die Raubyner befinden. Vielleicht sogar Raubyner selbst. Wir werden das Schiff entern! Der Auftrag lautet: Sicherstellung aller Speicherbänke und Festnahme der Raubyner. Gebrauch der Waffen nach eigenem Ermessen. - Für Arkons Glanz und Glorie!"

"Für Arkons Glanz und Glorie!", brüllten wir zurück.

Ich gehörte nicht zu dem Enterkommando. Der Vorteil war, dass ich so in der zweiten Reihe blieb. Der Nachteil -

Gleichzeitig mit mehreren Kameraden erreichte ich die Fähre. Der Pilot wartete. Das wissenschaftliche Team tröpfelte nach und nach ein. Der Nachteil - der Nachteil waren Zivilisten bei einem Militäreinsatz.

Schweigend nahmen wir in der Fähre Platz. Mir gegenüber saß - Cryfa.

Sie wendete ihren Kopf. Sie lächelte. Es war ein freundliches, neutrales Lächeln. Mein Gesicht blieb unbewegt, doch der Biomonitor meines Seruns zeigte meinen schnell steigenden Puls. Zu oft hatte sie sich in vergangenen Monaten in meine Gedanken eingeschlichen. Seit jenem Tag in der Schleuse.

Die Fähre ruckte beim Ausflug. Der Pilot machte uns auf einen Schemen aufmerksam, der uns im Dunkel des Alls entgegenkam.

"Beiboot der Muul", kommentierte er. "Vermutlich eine Verhandlungsdelegation!"

Wir lachten pflichtschuldigst. Es gab nichts mehr zu verhandeln.

Das Stabschiff der Muul war ein Schatten, der sich langsam näherte. Der Pilot fand zielstrebig das helle Rechteck der Schleuse. Sanft setzte die Fähre neben dem Boot des Enterkommandos auf.

"Los!" Wir stürmten hinaus und sicherten den Eingang der Fähre in einem Halbkreis.

Der Pikosyn klinkte sich in das Netzwerk des Enterkommandos ein. Augenblicklich stand mir jede Information zur Verfügung, die bisher gesammelt worden war. Auf der Videofläche des Helms erschien eine schematische Darstellung des Schiffes. Blaue Punkte zeigten die Standorte meiner Kameraden, rote Punkte standen für den Feind. Sie hätten für den Feind gestanden. - Entweder hatte das Kommando ganze Arbeit geleistet, oder das Schiff war leer.

"Die Wissenschaftler sind an Bord", meldete unser Gruppenführer über Funk. "Kein Widerstand. Keine Verluste."

"Erzählen Sie mir etwas Neues!", antwortete der Kralasene unwirsch. "Die Muul sind weg. Verschwunden. Einer von ihnen befindet sich an Bord eines Beibootes mit Kurs auf die CELBERIN. Die anderen: spurlos verschwunden!"

Unser Gruppenführer öffnete den Helm. Er sah uns an und zuckte mit den Schultern.

"Wir rücken vor zur Zentrale", ordnete er an. Wir nahmen die Wissenschaftler in unsere Mitte und gingen auf den Hauptkorridor zu.

3.  

Der Kralasene erwartete uns ungeduldig.

"Vermutlich haben sich die Muuls über einen Transmitter abgesetzt", erklärte er. "Die Celistas durchkämmen das Schiff, aber es sieht nicht so aus, als ob sich noch irgendwo ein paar versteckt hätten."

Er wandte sich an Cryfa. "Nebenan", er deutete mit dem Finger auf den gegenüberliegenden Ausgang, "steht ein Käfig mit einem toten Tier. Sehen Sie es sich an!"

Ich wartete keine Aufforderung ab. Ich folgte ihr.

Was mir als erstes auffiel, war der fabrikneue Transmitter.

"Ein autarkes Gerät", erläuterte der daneben stehende Celista, "mit einem Strukturdämpfer. Deshalb konnten sich die Muul absetzen, ohne dass wir es bemerkt haben. Verglichen mit diesem Ding stammt die restliche Schiffstechnik aus der Vorzeit. Es passt nicht zusammen."

Im hinteren Teil des Raumes standen zwei Käfige. Cryfa öffnete die Tür des einen und kroch hinein.

Ich erschrak über ihre Leichtsinnigkeit. Schnell und mit gehobener Waffe durchquerte ich den Raum. Es stank und das Zentrum des Gestanks waren diese beiden Käfige. Im größeren lag ein riesiges Tier mit grauer, rissiger Haut, einem konisch geformten, gut meterlangen, mit cremefarbenem Fell bedeckten Schädel und zwei gelblichen, blicklosen Augen. Zwischen ihnen ein verkrustetes Loch. Die Kreatur war mit einer Projektilwaffe getötet worden. Cryfa kniete nieder, musterte den Leichnam, berührte ihn mit den Handschuhen des Seruns und wendete ihn hin und her.

"Ein Raubyner", stellte sie im Selbstgespräch fest, "die Muul konnten oder wollten ihn nicht mitnehmen."

"Was ist mit dem zweiten Käfig?", fragte ich.

Erst jetzt nahm sie meine Gegenwart war. Sie blinzelte irritiert. "Möglicherweise ein zweites Exemplar. Vielleicht hatte das Tier Junge." Sie wies auf die Käfigtür. Das Schloss war aufgebrochen worden. "Die Muul hatten es anscheinend sehr eilig."

4.  

Ein heftiger Schlag fuhr durch das Schiff. Ich stolperte.

"Was war das?" Cryfa war im Käfig herumgeschleudert worden. Sie fiel auf die Leiche. Instinktiv stieß sie sich ab.

Ein zweiter Schlag erschütterte das Schiff.

Ich versuchte, Informationen aus dem Netzwerk zu erhalten. In der schematischen Darstellung des Schiffes erloschen der Reihe nach mehrere blaue Punkte.

"Ich tippe auf unsere Beiboote", sagte der Celista. Er war gestürzt und lehnte nun sitzend mit dem Rücken an der Wand.

Zwei Explosionen. Die Fähre und das Beiboot, in dem das Enterkommando übergesetzt hatten. Dazu die erlöschenden Punkte. Es ergab einen Sinn, der mir nicht gefiel. Ich überlegte, ob ich mich mit dem Kralasenen in Verbindung setzen sollte. Ich zögerte zu lange. Die blauen Punkte im Bereich der Zentrale - verschwanden.

Der Schock lähmte mich für Sekunden. "Zurück zur Zentrale!", entschied ich schließlich trotzdem.

Cryfa kroch aus dem Käfig. Ich reichte ihr meine Hand und zog sie hoch. "Sie bleiben ab jetzt in meiner Nähe!", bestimmte ich. Sie musterte mich verwundert. Sie war es nicht gewöhnt, Befehle von einem einfachen Soldaten zu erhalten.

Wir hasteten zurück. Hinter dem Schott stolperte ich fast über einen verkrümmt auf dem Boden liegenden Celista. Ich erkannte die Abzeichen. Es war der Kralasene. Ich drehte ihn auf den Rücken. Sein Gesicht war zerschnitten. Seine Kehle war sauber durchtrennt. Der Pikosyn war zielstrebig außer Funktion gesetzt worden.

"Bei den She'Huan!", flüsterte Cryfa. Ihr Entsetzen hielt sie nicht davon ab, niederzukauern. Sie untersuchte den Leichnam genauer. Ein paar Schritte weiter lag ein zweiten Körper, ein dritter, ein vierter, -

"Die Wunden", sagte Cryfa tonlos, "stammen von Krallen."

"Die Muul?"

"Nein. Die Muul haben relativ grobe Krallen. Dies hier erinnert an scharfe Messer. Es passt eher zu dem Raubyner, den wir in dem Käfig gefunden haben."

"Er war tot", erinnerte ich sie.

"Ja. Aber in dem kleineren Käfig war niemand und das Schloss war offen."

Ich kam nicht dazu, über ihre Worte nachzudenken. Wieder erloschen mehrere blaue Punkte in meiner Anzeige. Bei jedem Wimpernschlag wurden es mehr. Ich tat das, was ich bisher immer in einer akuten Gefahrensituation getan hatte, was mich genauso sicher hatte überleben lassen wie es meine Beförderungen verhindert hatte. Ich setzte mich über die Vorschriften hinweg. Ich nahm die Initiative an mich.

"An alle: Schutzschirm an! Höchste Vorsicht!", gab ich durch. "Wir sammeln uns in der Zentrale!"

"Es geht nicht!", sagte der Celista, der uns gefolgt war. Er fummelte an den manuellen Kontrollen seines Anzuges herum.

Ich probierte meinen eigenen Schutzschirm. Nichts. Ich versuchte die CELBERIN zur erreichen. Der Pikosyn konnte keine Verbindung herstellen. Ich hatte eine Ahnung, deshalb suchte ich den Ortungsstand. Ich konnte die Anzeigen nicht lesen, aber ich konnte sie interpretieren. Unzählige Bruchstücke umschwirrten das Schiff der Muul. Drei, vier Atemzüge lang hatte ich das Gefühl, eine dunkle Wolke würde sich auf mich herabsenken und mich einhüllen.

"Sie haben die CELBERIN vernichtet", erklärte ich leise. "Das Beiboot, das wir beim Anflug gesehen haben, war keine Verhandlungsdelegation. Es war eine Bombe."

"Mit einem Beiboot ein KOBAN-Schlachtschiff vernichtet?", fragte Cryfa ungläubig.

"Anscheinend haben sich die Muul einen ganzen Haufen hochwertiger Technik zusammengekauft oder geklaut", meinte der Celista. "Wie den Transmitter. Wir haben sie unterschätzt. Wenn die Jungs an Bord der CELBERIN nicht nach High Tech gesucht haben, dann haben sie auch nichts gefunden."

"Unsere Schutzschirme", murmelte Cryfa. Sie begriff schnell. "Irgendetwas setzt sie außer Funktion."

Die Reste des Enterkommandos sammelten sich in der Zentrale. Nicht alle kamen an. Am Ende waren es nicht einmal zwei Dutzend Personen. Bei der Hälfte hatten die Seruns ihren Betrieb völlig eingestellt, bei den anderen funktionierten sie nur noch in Teilbereichen. Die Zahl der Ausfälle nahm ständig zu.

"Wir sollten versuchen herauszufinden, was unsere Energie abzieht", schlug einer vor.

"Und dem Schiff!", warf ein anderer ein. Er deutete auf ein Pult, auf dem mehrere Anzeigen umsprangen und warnend zu blinken begannen.

"Wir sollten prüfen, ob dieses Schiff über eigene Beiboote verfügt", ergänzte ich.

"Das tut es. Aber -", sagte einer der Männer. "Fünf Stück. In jedem einzelnen wurden die Instrumente zerstört. - Wir hatten angenommen, dass die Muul sie uns nicht gebrauchsfähig überlassen wollten."

"In dem zweiten Käfig, wie viele Raubyner mögen darin gelebt haben?", fragte ich Cryfa.

Sie zögerte. "Ein Erwachsener. Oder vielleicht zwei, drei Kinder."

Eine Falle, dachte ich, die Muul haben eine Falle aufgebaut. Sie haben uns in Sicherheit gewiegt, dann haben sie uns isoliert. Sie haben dafür gesorgt, dass unsere überlegene Technik uns nicht weiter zur Verfügung steht. Und sie haben Mörder auf uns angesetzt. Raubyner-Kinder, dessen Elterntier sie vermutlich vor den Augen des Nachwuchses erschossen haben.

5.

Wir waren zweiundzwanzig. Wir waren der Rest einer 94-köpfigen Truppe. Einer Elitetruppe.

Unterschätze niemals deinen Gegner. Wir hatten ihn unterschätzt. Unsere Arroganz wurde uns zum Verhängnis.

Am Schott klopfte es. Zweiundzwanzig Hände mit ebenso vielen Waffen ruckten hoch.

"Wartet!", rief ich scharf.

Das Schott fuhr auf.

Eine metergroße Miniaturausgabe des toten Raubyners stand in der Öffnung. An einer Kette um den Hals trug er einen faustgroßen schwarzen Kasten. Es war ein Translator, der die zwitschernden Töne des Fremdwesens in gerade noch verständliches Interkosmo übersetzte.

"Verhandlungszeichen", plärrte das Gerät. Der Raubyner klickte mit einer Klaue gegen das Kästchen. "Muul-Sprechtechnik."

"Was willst du von uns?"

"Euch wegmeucheln", erklärte er. "Und die Muul. Die ganz besonders. Sie haben Vatermutter totgemacht."

Ich tauschte einen schnellen Blick mit Cryfa. Dies fiel in ihr Fachgebiet. Sie verstand mich ohne Worte.

"Wie sind keine Muul", stellte sie fest.

"Nicht wichtig", antwortete der Kleine trocken.

"Wie viele seid ihr?", fragte Cryfa weiter.

"Genug", entgegnete er.

"Aber du bist doch nicht hier, um uns zu sagen, dass du uns alle umbringen willst?"

Der Raubyner schien kurz nachzudenken. "Nein", sagte er dann. "Ihr müsst erst das Ding abschalten, das das Leben aus diesem Schiff saugt. Dann erst wird gemeuchelt."

Vielleicht waren Raubyner mordlustige Biester. Aber sie waren nicht dumm. Auch ihr Überleben hing von der Funktionstüchtigkeit des Schiffes ab.

"Das könnten wir bestimmt", meinte Cryfa. "Wo ist dieses Gerät?"

Die richtige Frage. Ein Ausschalten des Geräts konnte uns nur nutzen. Wenn unsere Schutzschirme wieder funktionierten, waren wir unangreifbar.

"Bei den großen Maschinen", gestand der Raubyner freiwillig. "Silberne Säule, groß wie du. Geht nicht kaputt." Er zeigte seine Krallen.

Ich hielt meine Hände auf dem Rücken und gab ein Zeichen. Die Männer hinter mir reagierten. Einige ihrer Schüsse fauchten sehr nah an mir vorüber. Ich hütete mich, auch nur eine Bewegung zu machen.

"Habt ihr ihn?"

Einer der Männer schüttelte den Kopf. "Ich weiß nicht, wie er das gemacht hat. Irgendwie seitlich durch eine Klappe, und weg war er."

"Was sollte das?", fuhr Cryfa aufgebracht dazwischen. Ihre Augen funkelten mich zornig an.

"Dieses Kerlchen und seine Freunde haben siebzig unserer Männer auf dem Gewissen", sagte ich ruhig. "Es ist gefährlich. Es hat uns die Information gegeben, die wir brauchten. Und damit hatte es seine Schuldigkeit getan."

Widerwillig und mit geballter Faust beugte sie sich diesem Argument.

"Ich werde mit einem kleinen Trupp zum Triebwerksbereich vordringen. Solange diese Säule nicht deaktiviert ist, werden sie uns in Ruhe lassen. Die anderen verschanzen sich hier. Wenn die Systeme wieder funktionieren und wenn wir die Zentrale halten, kontrollieren wir das Schiff."

"Ich komme mit", erklärte Cryfa entschieden.

Ich diskutierte nicht mit ihr. Ich gab nach.

6.  

Ich überprüfte meine Ausrüstung. Der Pikosyn arbeitete noch. Alles andere, was aus dem Serun einen fast unüberwindbaren Schutz machte, war ausgefallen. Selbst die automatische Zielvorrichtung für die Waffe versagte. Ich hoffte, dass mein manuelles Zieltraining sich bewähren würde und dass ich eine Gefahr rechtzeitig erkennen würde. Die Toten sprachen dagegen.

Ein Celista begleitete uns. Er kannte den Weg.

Wir erreichten einen der breiteren Hauptkorridore. Er führte zu einer fünfzehn Meter durchmessenden Galerie. Direkt vor dem Ende des Ganges stand ein Raubyner. Vielleicht derselbe. Ich wusste es nicht.

"Schnell seit ihr aber nicht", plärrte der Translator.

"Was willst du?", fragte ich, die Waffe in der Hand.

"Ihr seid langweilig", antwortete er, "keine guten Metzler!" Er spreizte die Finger, so dass seine tödlichen Krallen sichtbar wurden.

"Das hier ist doch kein Spiel, bei dem es darum geht, wer besser im Töten ist!", rief Cryfa.

"Warum nicht? Macht doch Spaß! - Und jetzt macht das Ding da drinnen aus." Er deutete mit seiner Klaue auf eine rötlich leuchtende Öffnung auf der anderen Seite der Galerie.

"Und wenn nicht?", wollte ich wissen.

"Dann werdet ihr gleich hier gemetzelt."

Hinter mir hörte ich ein dumpfes Stöhnen. Ich wirbelte herum. In der Seitenwand klappte eine Luke zu. Der Celista schwankte. Er versuchte, sich an der Wand abzustützen, und rutschte zu Boden. In seinem Nacken klaffte ein breiter Schnitt. Aus den Halsadern schoss das Blut.

"Ihr seid wirklich sehr langsam", kommentierte der Raubyner, der sich nicht von der Stelle bewegt hatte.

Cryfa schluckte hörbar. Sie fing sich. "Ich möchte dir ein Geschäft vorschlagen", sagte sie.

"Ein Geschäft? Was meinst du?"

"Wenn wir die silberne Säule ausgeschaltet haben, machen wir eine - Spielpause. Es geht erst weiter, wenn wir wieder in der Zentrale sind."

Er dachte kurz nach. "Wozu sollte das gut sein?", antwortete er. "In der Zentrale wärt ihr doch ganz alleine." Er verwandelte sich in einem Schemen und verschwand im Gang.

"Das können sie unmöglich geschafft haben!" Cryfa war entsetzt.

Ich berührte ihre Schulter und drückte sie. "Noch brauchen sie uns, um die Säule auszuschalten. Und sobald die Säule ausgeschaltet ist, funktionieren unsere Schutzschirme wieder. So schlau sind die Biester also doch nicht."

Sie lächelte und neigte den Kopf. Ihre Wange drückte gegen meine auf ihrer Schulter liegende Hand.

Ich war nicht ehrlich. Und sie wusste es.

Entschlossen wandte ich mich dem düster leuchtenden Gang zu. "Wir kümmern uns erst einmal um die Säule. Danach sind die Raubyner dran. - Und vielleicht war die Sache mit der Zentrale doch nur ein Bluff."

Wie gingen nebeneinander. Unsere Schritte hallten von den Wänden wieder.

Die silberne Säule war nicht zu übersehen. Wie der Transmitter entstammte sie einer hochwertigen Technik, die nicht zu diesem Schiff passte. Oberhalb meines Kopfes war ein Display angebracht. Schriftzeichen flackerten. Darunter eine Konsole. Ich ging um die Säule herum. Keine Energiezuleitung. Vermutlich eine autarke Versorgung.

"Kannst du dich da einloggen?", fragte ich meinen Pikosyn.

"Ja. Aber es wird etwas dauern, bis ich die Kommunikationsprotokolle ausgehandelt habe."

"Das macht nichts. Fang an."

Fünf Minuten später erlosch die Anzeige. Cryfa stand neben mir. Sie atmete ruckartig ein und hielt die Luft an.

7.  

Cryfa stand regungslos. Ihre Arme hingen schlaff herab. Die Mündung der Waffe in ihrer Hand war auf den Boden gerichtet.

"Weshalb bist du Soldat geworden?", fragte sie unvermittelt.

Ich sah sie an. Sie lehnte mit dem Schultern an der silbern strahlenden Säule. Ihr Serun, obwohl ein ganz auf den Zweck ausgerichtetes Kleidungsstück, lag übermäßig eng an und betonte ihre Weiblichkeit mehr, als dass er sie verbarg.

Ich sah sie gerne an. Aber sie war die falsche Frau - und dies waren der falsche Ort und die falsche Zeit. Ich biss mir auf die Unterlippe und prüfte die Ladeanzeige meiner Waffe. Sie leuchtete hellgrün.

"Eine Spelunke am Hafen", antwortete ich, "ein Werber des Imperiums, den ich zu spät erkannte, ein Getränk, das mehr enthielt als nur Alkohol. - Als ich am nächsten Tag zu mir kam, war ich auf dem Weg ins Lager und der Werber hatte einen unterschriebenen 10-Jahres-Vertrag in der Tasche."

"Ich wollte auch nie Wissenschaftlerin werden. Schon gar nicht Exobiologin. Meine Familie -" Sie zuckte mit den Schultern.

Ich starrte in die Röhre des Ganges. Leuchtplatten tauchten ihn in ein rötliches Licht. Er war der einzige Weg zu diesem Teil des Maschinenraums. Ein lang gezogenes, metallisches Scharren erklang. Schweigend lauschten wir ihm nach. Cryfa löste sich von der Säule. Sie trat näher an mich heran. Ich unterdrückte den Drang, sie beschützend in den Arm zu nehmen.

"Für jemanden, der nur unfreiwillig Soldat geworden ist, hast du es weit gebracht." Ihr Spott wirkte gequält.

"Ich habe den größten Fehler gemacht, den man als Soldat machen kann", murmelte ich.

Sie schenkte mir ein Lächeln. Ein sanftes, vertrautes, liebevolles Lächeln.

"Welchen?", fragte sie neugierig.

"Ich habe überlebt."

Sie lachte. Ein schönes Lachen. Ein Schmerz zog durch meine Brust. Ich wünschte mir, ich könnte dieses Lachen öfters hören. Ich wünschte mir, ich wäre derjenige, der sie zum Lachen brachte. Morgens, wenn sie aufstand. Abends, wenn sie schlafen ging. Jeden Tag aufs Neue.

Der Wunsch würde nie in Erfüllung gehen.

Das Scharren wurde lauter. Es kam näher. Es verstummte.

"Die Schutzschirme?", fragte sie hoffnungsvoll.

"Immer noch außer Betrieb", antwortete ich nach einem Blick auf die Anzeigen.

"Ja." Sie nahm ihre Waffe und richtete sie auf den rotdunklen Schlund, der die Ungeheuer hervorspeien würde.

"Ja", wiederholte sie, "das war's dann wohl."

Ich wusste nichts mehr zu sagen.


Ende
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